Grußwort
AKTUELLES und SCHNELLES
Freitag, 27. August 2010
Gedanken zum Thema Segen

Liebe Leserin, lieber Leser,
Könnte es sein, dass der dritte Platz der Fußballnationalmannschaft kein Misserfolg war sondern ein Segen, weil die Mannschaft so noch mehr Zeit gewinnt, um zusammen zu wachsen? Ist es ein Segen, wenn die deutsche Wirtschaft nun wieder anzieht, oder ein Fluch, weil die Chance zu echten Reformen nach der Wirtschaftskrise vertan wurde und jetzt wieder ein Weiter-so-Denken herrscht? War der Regen und die Abkühlung im Juli nun ein Segen für uns und die Landwirtschaft, oder war es dann nicht doch wieder etwas zu kühl? – Nicht wahr, das mit dem Segen lässt sich gar nicht immer so leicht beantwor-ten. Als Segen sahen die Menschen der Bibel eine gute Ernte an. Sie erlebten darin Gottes Wohlwollen: „Gott ist mit mir und meiner Arbeit“. Auch wir danken ja an Erntedank Gott für die Ernte und all das, was er uns schenkt. Kinderreichtum wurde damals als ein Segen gesehen. In heutiger Zeit, wo die Geburtenrate sinkt, verstehen wir das – hoffentlich - wieder besser. Glückserfahrungen, lange Perioden des Friedens, Erfolg in der Schule oder im Beruf, Gesundheit, all das bewerten wir als Segen. Und doch bleibt das ein persönli-ches Gefühl. Beweisen läßt sich Gottes Segen einem Außenstehenden nicht. Und man kann den Segen Gottes nicht allein am Erfolg messen. Erfolg kann wiederum Neid we-cken. Misserfolg kann bedeuten, dass Gott uns davor bewahren möchte, dass wir abheben. Oder dass er uns einen anderen Weg führen möchte, als wir geplant haben. Eines dürfen wir ihm aber glauben: dass Gott uns segnen möchte. Uns - persönlich, aber auch uns - als Gemeinde, wo Freud und Leid doch so oft dicht beieinander liegen.
Und wir dürfen Gottes Segen auch weitergeben. Als Stärkung für den Alltag. Das klingt zunächst gewöhnungsbedürftig. Vor etlichen Jahren machte ich eine mich berührende Erfahrung: Die drei oder vier Menschen, die ich weiter nicht kannte, standen um mich herum. Ich saß auf einem Stuhl in der Mitte. Sie legten ihre Hände auf meinen Kopf. Eine der Frauen sprach mir dazu ein Wort aus der Bibel zu. Und dann kamen mir die Tränen. Das war in einem Segnungsgottesdienst in einer Kirche in Altdorf. Normalerweise bin ich ja nicht so nah am Wasser gebaut. Aber in diesem Moment hat es mich einfach gerissen. Es war ein schönes Erlebnis. Ich glaube, es gibt nur wenig zwischenmenschliche Gesten, die wir so intensiv erfahren wie eine persönliche Segnung. Das muss nicht im Gottes-dienst sein. Eine Bekannte erzählte mir einmal, dass sie jeden Morgen ihre beiden Töchter segne, bevor diese das Haus Richtung Schule verlassen. Warum nicht? Das ist doch eine schöne Geste. Und diese Berührung, die spürten die Mädchen sicherlich noch Minuten später.
Mein Segen für Sie entstammt unserem Gesangbuch (EG 570,1):
Der Herr segne dich und behüte dich, / und Freude leuchtet über deinen Wegen.
Der Herr segne dich und behüte dich, / in seine Hände kannst du alles legen.
Amen, Amen, Amen, / du gehst nicht allein. / Amen, Amen, Amen, / es wird Friede sein.
Ihr Pfr. Ulrich Winkler

