Grußwort
AKTUELLES und SCHNELLES
Montag, 14. November 2011
Was Weihnachten uns sagen könnte

Weihnachten ist ein Geheimnis, sagt man. Die Geschichte von Bethlehem, so oft schon gehört, erschließt sich uns doch immer wieder neu und anders, und bleibt letzten Endes doch, wie Jesus selbst, ein nicht greifbares Geheimnis.
Da ist die Botschaft vom Licht: Das Licht kommt in die Dunkelheit. Ob wir das noch begreifen können in unserer von künstlichem Licht erhellten Welt, was Dunkelheit bedeutet? Vielleicht bei einem Stromausfall, wenn kein Lichtschalter und kein elektrisches Gerät im Haus mehr geht, wenn das Telefon tot ist, der Fernseher dunkel und das Radio stumm bleiben. Wenn Kerzen das einzige Licht spenden. Vielleicht braucht unsere Welt manchmal wieder ein bisschen mehr Stille und Dunkelheit, um das zu begreifen: „Das Licht scheint in die Finsternis“. Vielleicht würden wir dann begreifen, was Weihnachten bedeuten kann:
Gott wird Mensch. Heißt das nicht, wir sollen es machen wie Gott: Mensch sein, Mensch werden? Nicht ein Raubtier, das andere Menschen wie eine Beute ansieht. Nicht ein verkommener Ellenbogenmensch, der nur an sein eigenes Wohl denkt. Sondern Mensch sollen wir sein, vertrauend, liebend, barmherzig, mitfühlend, hoffend.
Gott wird ein Kind. Uns wird an Weihnachten wirklich ein Kind in den Mittelpunkt gestellt. Nicht nur Eltern empfinden, wenn sie nach neun Monaten ihr Neugeborenes im Arm halten: „Es ist ein Wunder, dieses neue Leben!“ Damit hinterfragt Gott auch unsere Gesellschaft, in der heutzutage so wenig Kinder geboren werden. Warum? Trauen wir heute dem Leben so wenig? Erkennen wir nicht, dass Kinder das Leben reich machen können und ihm allererst einen Sinn geben? Ist unsere Gesellschaft heute so unbarmherzig, dass für Kinder und Gefühle kein Platz mehr da ist?
„Das Wort ward Fleisch“, sagt das Johannesevangelium 1,14. Das Wort nimmt Menschengestalt an und kommt in unsere Sprachlosigkeit, wo Menschen einfach nicht zueinander finden können, wo man sich nichts mehr zu sagen hat. Wo man sich aus dem Weg geht und lieber den Gehsteig wechselt, wo man eher hinter vorgehaltener Hand übereinander redet als miteinander. Vor allem wir Männer, so sagte neulich jemand in unserer neuen Männerrunde, tun uns mit dem Reden oft schwer. Ich stelle mir als eine der Wirkungen unter den Hirten, die um die Krippe standen, vor, dass sie danach auf dem Heimweg nicht stumm blieben und nebeneinander her gingen, sondern wieder miteinander redeten. Wo Menschen zu reden beginnen, da öffnen sich Türen.
Ja, und da ist der Stern über allem, und der von Engeln angefüllte offene Himmel. Ein Gefühl der Geborgenheit umarmt mich bei diesem Bild. So muss Heimat sein. Hier wird meine Sehnsucht gestillt, wenn ich mich darauf einlasse. „Nicht ein willkürliches Schicksal, nicht der Zufall, nicht das Nichts, sondern ein liebendes Du steht als letztes großes Geheimnis hinter unserem Dasein“ (Antje Sabine Naegeli).
Ein frohes Fest wünscht Ihnen Pfarrer Ulrich Winkler

